"...Da gibt es einen Knopf und da drückt man drauf...
...und dann ist es fertig..." So soll es wohl sein. Doch leider
gibt es diesen Knopf nicht. Um ein Prospekt zu erstellen, sind viele,
im Ergebnis nicht sichtbare Arbeitsschritte nötig. Anhand der
Erstellung eines Imageprospektes soll hier der Arbeitsaufwand
beschrieben werden.
Die Vorgaben des Kunden:
Ein Prospekt A4 mit mehreren Seiten, vierfarbig, diverse Bilder,
technische Grafiken und eine Anfahrtsskizze. Und schön soll er sein.
Zuarbeiten des Kunden:
"Alles fertig im WORD für Windows gesetzt, wir brauchen nur
noch drucken. Die Bilder kommen im Druck sicherlich viel schöner
als auf dem Tintenstrahler..."
Unsere erste Sichtung:
Der Kunde hat sich richtig Gedanken gemacht, es sieht auch gut
aus. Es hat auch sehr viel Arbeit bereitet, um alles in die richtige
Position zu bringen, es war manchmal richtig kompliziert. 12 Stunden
für 8 Seiten hat der Kunden gebraucht, ganz zu schweigen von der Zeit,
eine passende Idee zu haben. Den Text haben wir nun, doch wo sind die
Bilder und Grafiken? "Wozu denn, ist doch schon alles eingebunden,
wir brauchen nur noch drucken..."
Da war es, unser Problem:
Dokumente im WORD erstellt sind für den Offsetdruck nicht
belichtbar. Der Grund: WORD ist Jäger und Sammler - sammelt alles ein
und gibt nichts wieder her. Der programmierte Absturz für unseren
Belichter. Das mach mal dem Kunden klar. Das Leben ist hart.
Wir telefonieren
Am nächsten Tag haben wir alle nötigen Bilder und Grafiken, sogar
auf CD.
Unsere Vorahnung:
Bilder im falschen Farbraum. Wir kontrollieren. Falscher Farbraum,
zu kleine Auflösung. So ist das nun einmal. Wir korrigieren. Die
Grafiken im CorelDraw erstellt. Wir öffnen die Grafik, um sie zu
kontrollieren. Tolle Grafik, sieht gut aus. Geahnt und schon gefunden.
Farbverlauf mit 20 Stufen und Pantone-Farben. Wir korrigieren und
leiden still. Wo ist die Anfahrtsskizze?
Wir telefonieren:
"Einfach einen Plan nehmen und einscannen, das geht schnell..."
So nicht. Wir zeichnen lieber eine Anfahrtsskizze, sitzen daran einen
ganzen Tag. Das kostet zwar auch Geld aber Urheberrechtsansprüche sind
teurer.
Jetzt geht's los:
Die Idee zum Layout kam vom Kunden. Wir haben nun alles zusammen
und können im Satzprogramm (nicht WORD) vernünftig arbeiten. Die
Rahmen für das Layout setzen und Inhalte importieren. Text aus dem
Textprogramm, Bilder aus dem Bildprogramm und Grafiken aus den
Grafikprogrammen. So wird ein Schuh daraus. Bald sind wir fertig.
Nur noch drucken:
Das Ergebnis ist wie von uns erwartet. Sieht genau so aus wie der
Ausdruck vom Kunden. Dann mailen wir ein pdf zum Kunden, zur Freigabe.
Der Kommentar:
"...Sieht gut aus mein WORD-Entwurf..." Wir schweigen
sicherheitshalber. "...Da machen wir noch kleine Textkorrekturen und
bei der Gelegenheit streichen wir einen kompletten Absatz. Ist das ein
Problem?..." Nicht für uns. "...Wir schreiben erst mal etwas hin,
gestrichen ist es ja schnell..." Dafür haben wir nun ein Riesenloch
im Layout. "...Was schlagen Sie vor?..." Neuer Text oder ein
zusätzliches Bild.
Ein Bild ist gut.
Er hat keines. Was er hat kein Bild? So schnell wie wir im Text
streichen sind, sind wir auch im fotografieren. Per Kurier das Produkt
geliefert, digital fotografiert und eingebaut. Und wieder ein Ausdruck
zum pdf gemacht und per E-Mail zum Kunden geschickt.
Er ist begeistert.
"...und davon 1000 Stück!..."
Die Datei auf CD
und schnell zum Offsetdrucker, übermorgen ist Termin. Es ist alles
gut gegangen, der Druck ist Klasse.
Ab ins Auto und zum Kunden
Er wartet schon. Die Rechnung haben wir dabei. Der Kunde ist
glücklich. Wir holen die Rechnung raus. Die Mundwinkel neigen zur
leichten Veränderung. "...Na ja, das neue Bild und die Anfahrtsskizze, ansonsten
wie abgesprochen, ist ja auch eine gute Arbeit. Nächste Woche wird
bezahlt..." Das hat er gesagt. Diese Kunden lieben wir.
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